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Geschrieben von Thomas Martner

DIE ZWERGE

Das Fantasy-Epos von Markus Heitz - live auf der Bühne
Johannes Steck (Der Magier der Stimmen) /
Corvus Corax (Die Könige der Spielleute)

Musik setzt ein - von der Eingangsseite, nicht von der Bühne. Das Publikum wird still, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Corvus Corax und Johannes Steck ziehen von der Eingangsseite aus zur Bühne - "Die Zwerge Live" hat begonnen.

Mittelalterliche Musiktöne schaffen Atmosphäre und ziehen den Zuschauer in die Zwergenwelt. Johannes Stecks Erzählstimme wird beim Einmarsch noch von den Instrumenten übertönt, und es fällt anfangs schwer, ihn zu verstehen. Der Zuhörer braucht einige Momente, um sich auf die Geräuschkulisse einzustellen und zu filtern; geschickt geben die Vorführenden die dafür notwendige Zeit.

Anhand einer großflächig aufgezogenen Karte direkte neben der Bühne führt Steck uns Zuschauer in die durchaus komplexe Welt Tungdils ein. Mit viel Ironie und Witz bringt er die für das Verständnis der Lesung notwendigen Fakten vor. Corvus Corax passt sich in der Lautstärke dem Erzähler rechtzeitig an (oder gilt das Lob dem Mischer?), die musikalische Begleitung ist dezent und unterstützend. Die ‚Könige der Spielleute’ beschränken sich nicht darauf, einzelne abgeschlossene Stücke zu bringen, nein, sie sind während der ganzen Aufführung präsent. Einzelne Bandmitglieder werden zudem immer wieder als auftretende Charaktere mit eingebaut; kein direktes Schauspiel, sondern ein zusätzliches Mittel, agierenden Figuren ein Gesicht zu geben.

Die Handlung des 600-Seiten-Schmökers „Die Zwerge“ von Markus Heitz wird natürlich nur gekürzt wiedergegeben, reduziert auf die Kernhandlung und dargestellt in ca. 2 x 80 Minuten. Ein bei den Menschen aufgewachsener Zwerg, Tungdil, bekommt von seinem Ziehvater einen Botenauftrag, der ihn zu den Elben führen soll. Auf dem Weg wird er von Orks überfallen. Er wehrt sich seiner Haut, scheint aber verloren – als weitere, ihm unbekannte Zwerge auftauchen und ihn retten. Sie begleiten ihn zu den Elben, doch sie kommen zu spät. Die Bewohner des Dorfes wurden getötet...

Soweit der Auftakt. Bereits diese kurze Wiedergabe dürfte deutlich machen, vor welchen Herausforderungen Johannes Steck steht: Tungdils Auftrag (Neugier, Forscherdrang, Ungewissheit), der Überfall (Kampf: Überraschung, Angst, Aggression, Mut), die Rettung (noch mehr Kampf, noch mehr beteiligte Personen)...

Stecks Repertoire ist vollkommen, sowohl bei den Gesten wie auch beim Tonfall und den Akzenten. Obwohl alle Blicke auf ihn als Person gerichtet sind, sieht man nicht Johannes Steck, sondern die agierenden Charaktere, ‚vergisst’ den Schauspieler. Er fängt den Zuschauer ein, und man lässt sich gerne einfangen. Er beherrscht alle Erzählebenen; er ist der Erzähler, er ist Tungdil, er ist die anderen Zwerge, er ist auch die Orks und der Nachtmahr und all die anderen Figuren... und manchmal, wohldosiert, darf er dann doch Johannes Steck sein, der einen Kommentar zur Handlung oder zur Interpretation der gerade gespielten Figur abgibt und über den Erzähler hinaus dem Zuschauer eine weitere, dankbar angenommene Ebene eröffnet.

Die Musiker von Corvus Corax unterstützen Johannes Steck bei seinen Interpretationen; Text, Schauspiel und Musik vermischen sich zu einem Gesamtwerk, dass weit über eine normale Lesung hinaus geht, und im Ergebnis tatsächlich nur mit dem Wort „Event“ umschrieben werden kann. Eine Mischung, die passt und in sich stimmig ist. Schön zu sehen, wie die Künstler (Musiker wie Schauspieler) Hand in Hand arbeiten und die für sich alleine stehenden sehr guten Beiträge im Zusammenspiel weiter aufgewertet werden.

Tungdils durch Johannes Steck dargestellte Reise wird an den passenden Stellen öfter durch reine Musikstücke aufgelockert. Hier trumpfen die Musiker von Covus Corax richtig auf: Dudelsäcke, Trommeln, Schlagzeuge und manchmal auch herrlich düsterer Gesang bestimmen die Stücke – und nicht zuletzt häufig rhythmisches Klatschen des begeisterten Publikums. Zweifelsohne ist die Musik von Corvus Corax Geschmacksache, aber ebenso ohne Zweifel ist es die passende Musik für ein Fantasyepos.

Die vorgetragene Geschichte selbst erfindet die Fantasy nicht neu, klingt wohlbekannt und wird wohl auch als 600-Seitenlangfassungsschmöker sein Vorbild „Herr der Ringe“ nicht verleugnen. Aufbruch, das Finden einer Reisegemeinschaft, Angriffe der Orks, die unbekannte Herkunft des Helden, das Ziel die bekannte Welt zu retten... Für die Kurzfassung von „Die Zwerge“ benötigt man durchaus Sitzfleisch, zwei mal achtzig Minuten sind eine lange Zeit. Der Kopf lässt sich bannen, das Herz begeistern, aber das Sitzfleisch will schon mal eine weitere (Ab-)Kürzung der Geschichte vorschlagen.

Die Bühne selbst wird von den zahlreichen, zum Teil sehr großen selbstgebauten Musikinstrumenten Corvus Corax’ bestimmt. Im Zentrum für den Erzähler ein Stuhl mit eingearbeitetem Antilopengeweih, zweifelsohne der Blickfänger schlechthin und definitiv kein Stuhl, den jedermann in seinem Wohnzimmer stehen hat. Die Leinwand im Hintergrund unterstützt den Erzähler. Fremdartige Landschaften (laut Johannes Steck im Zauberspiegel-Interview zum Teil aus Brot gemacht) gewähren Einblicke in Tundils Welt, ohne dass die eigene Phantasie erschlagen wird. Abgerundet wird das Bühnenbild durch die großformatige, fein gezeichnete und sauber gestaltete Karte. Leider ergeben die die Landschaft prägenden dominanten Bergketten in ihrer Anordnung zu sehr ein Quadrat, um natürlich zu wirken... und die Karte wirkt somit im Ergebnis auch für eine Fantasywelt sehr unnatürlich, zu künstlich.

Die Garderobe aller Beteiligten wirkt fremdartig und bei den Musikern von Corvus Corax gelungen archaisch, schön stimmig für die Umsetzung des Fantasystoffes. Insbesondere Johannes Stecks zivilisiertere Kleidung ist sehr gut durchdacht: Trotz der eigenen Note ist sie passend, egal, welchen Charakter er gerade personifiziert.

Die Premiere hatte noch als Besonderheit, dass die Besucher im Eingangsbereich von fremden Wesen empfangen wurden: Ritter, Edelmann und Hofdame, aber auch Untote, Schattenwesen und Orks (?) wurden gesichtet. So ganz war ich mir bei dem einen oder anderen nicht sicher, was er oder sie darstellte... und ob ich die richtige Bezeichnung dafür finde, aber das Publikum wurde schon einmal positiv auf die folgende Veranstaltung eingestimmt.

Fazit: „Die Zwerge Live“ war in der Premiere eine rundum gelungene Veranstaltung.

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