PRESSE

Süddeutsche Zeitung - Münchner Kultur

Geschrieben von Barbara Wopperer

Das Auge hört mit

Das Fantasy-Spektakel „Die Zwerge“ steht für einen neuen Trend bei Autorenlesungen

Was ist eigentlichmit der analogenUnterhaltung passiert? Den Zeiten, in denen man sich in einen Raum setzte und einfach nur ein gutes Essen genoss, mit voller Aufmerksamkeit? Oder einem Autor lauschte, der an einem Tisch sitzend, ab und an aus einem Wasser- oder Weinglas nippend, aus seinem Buch gelesen hat? AlsVeranstaltungen nochVeranstaltungen waren und keine Events?

Heute muss Kino in 3D erfahrbar gemacht werden. Gemeinsam Fußball gucken wird zum Ereignis namens „Public Viewing“. Schuhbeck-Menüs werden mit Varieté-Programmen aufgehübscht. Und Lesungen zu Live-Events mit einem „Magier der Stimmen“ und Musik von den „Königen der Spielleute“. Und wer all diesen Aufwand betreibt, kann sich am Ende glücklich schätzen, wenn der Besucher nicht nebenbei per iPhone seine Arbeitskorrespondenz erledigt, sondern nur einen Tweet zumgeradeGesehenen abschickt.

Wir bekommen immermehr auf dieAugen. Ein Trend, der auch vor Lesungen nicht mehr halt macht: Von Morgen an wird imTheaterzelt „Das Schloss“ insgesamt elfmal eine Lesung als Live-Event stattfinden: „Die Zwerge“: Mit einem Sprecher im Kostüm, der Mittelalterband Corvus Corax und Leinwandeinblendungen, inszeniert von einem Regisseur und in harten Probenwochen auf die Beine gestellt. Die Zuschauer, die nun nicht mehr nur Zuhörer sind, bekommen auf zwei Stunden zusammengeschrumpft Markus Heitzes Zwergenepos vorgesetzt – ein Werk, das in der ursprünglichen Hörbuchversion pro Band elfCDs befüllt. Eine Reaktion auf die Unterhaltungsgewohnheiten des Publikums, so Karin Greger vom Schloss“, ein Anzeichen für immer kürzer werdende Konzentrationsspannen. „Jeder meint, er hat die Situation wie bei sich zu Hause auf demSofa. EineHalbzeit dauert ohnehin nur 45 Minuten, und selbst da würden die Leute am liebsten nebenbei noch einen Ratsch halten.“ Auch Carsten Polzin vom PiperVerlag –Kooperationspartner beim Zwerge-Event und Heimatverlag des Autors – diagnostiziert einen Trend „weg von der klassischen Lesung in Richtung multimediale Events“. Er erklärt diese Entwicklung im Kontext unserer Zeit. „Die Leute sind es gewohnt, dass sie viel Entertainment gleichzeitig abrufen können.“Dieser Gewohnheit folgend, suchen die Zuschauer nach vielfältigerer Unterhaltung. „Lesungen müssen heute mehr bieten, um Leute zu ziehen.“ Weil die immer mehr sehen wollen, als sie schon kennen.

Ein schmaler Grat

Dabei ist es ein schmaler Grat, auf dem man sich gerade bei der Umsetzung eines Fantasy-Werkes bewegt. Autor Heitz, der seine Leserschaft schließlich genau kennt, bemerkt im Vorwort zur illustrierten Neuauflage seinerZwerge, Visualisierungen seien gerade im Fantasybereich eine zweischneidige Sache, schließlich gebe man damit den Lesern ein Bild vor. Es kommt also bei einem Event wie der Zwerge-Live-Show darauf an, bei allem was gezeigt wird, dem (potentiellen) Leser und seiner Phantasie nicht zu sehr vorzugreifen. Etwas, worauf auch Johannes Steck, Schauspieler, Hörbuch-Sprecher der Zwerge-Reihe und geistiger Vater und Initiator des Events achtet. Seine Grenzen: „Es ist Kino im Kopf. Wir schaffen keine computergenerierte Plastikwelt, wir lieben die Geschichte und nehmen den Zuschauer mit auf eine Reise in eine unbekannte Welt.“

Die Liebe zurGeschichte, ist sie am Ende das zentrale Element, das sich sowohl in klassischen Lesungen als auch in anderem Umgang mit dem Ausgangstext zeigt? Der wahre Motor, der Publikum zieht? Marion Bösker vom Literaturhaus zumindest schätzt das so ein. Auch sie kann beobachten, welchen Anklang ungewöhnliche Lesungsformate finden, aber genauso funktioniert es, meint sie, „wenn Sie einen Wolf Haas auf die nackte Bühne stellen. Weil das Publikum auch den Autor sehen will.“ Ihr Fazit ist, dass es für alle Formen einen Ort und Raum gibt. Denn: „Literatur funktioniert auf ganz unterschiedliche Art.“

So kann auch eine konservative Autorenlesung die Bühne rocken. Die Zahlen scheinen ihr Recht zu geben: Im Literaturhaus finden große wie kleine Lesungen ihren Anklang, für Autoren wie Martin Walsermuss auch schonmal das Audimax gebucht werden. Frederik Mayet vom Volkstheater zeichnet ein ähnliches Bild. Egal ob Theaterstück, Lesung oder wie diesen Mittwoch beim „Live-Hörspiel“: Das Volkstheater hat eine Auslastung von gut 90 Prozent. Einen Trend zu offeneren Formen glauben indes auch Bösker und Mayet zu erkennen, allerdings nicht anstelle, sondern neben den klassischen Formaten.

Wie so oft in unserer Post-post-post- Gesellschaft scheinen Unkenrufe also letztlich unbegründet zu sein. Genre-Mixe und Experimentelles mischen auch schon mal eine Lesung zum Live-Hörspiel- Event auf. Der Tod der Autorenlesung muss darum aber noch lange nicht ausgerufen werden. Weil wie so oft Altes auch neben Neuem Bestand hat, Groß und Klein sich nicht ausschließen. Carsten Polzin von Piper findet ein schönes Bild dafür: Es sei wie bei Bands, die gingen ja auch in große Hallen und auf Clubtour.

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